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Was Majestäten glücklich machte!


Historisches Trostpflaster

Als die 21-jährige MARIA THERESIA im Jahre 1660 LUDWIG XIV. heiratete und damit das Ende eines langjährigen Krieges zwischen Frankreich und Spanien besiegelte, hatte sie ein besonderes Geschenk im Gepäck: Schokolade. Die Infantin verdankte jene Köstlichkeit den spanischen Konquistadoren. Denen war mit der Unterwerfung der Azteken nicht nur Gold in die Hände gefallen, sondern auch große Mengen Kakaobohnen. Der daraus bereitete Trunk stand im Ruf, glücklich zu machen. Genau dies erwies sich im Nachhinein als doppelt nützlich. Die junge Gemahlin konnte Schokolade als Trostpflaster selbst gut gebrauchen – bekanntlich neigte der eheliche Monarch dazu, sein königliches Lager auch mit anderen Damen des Hofes zu teilen.


Vertraute Helfer

Dass die Inhaltsstoffe der Kakaobohne vorteilhafte Eigenschaften entfalten, ist seit Jahren bekannt. Antioxidantien und Kakao-Flavonoide gelten längst als geschätzte und in diversen Gesundheitspräparaten eingesetzte Helfer. Warum Schokolade aber ein Seelentröster sein kann, blieb lange Zeit unklar. Inzwischen weiß man, dass vor allem das im Kakao reichlich vorhandene Tryptophan dabei eine Hauptrolle spielt. Aus dieser Substanz entsteht im Organismus ein Botenstoff, der Wohlgefühle auslöst und Kummer vertreibt. Kein Wunder, dass viele Menschen bei emotionalem Stress nach einer Tafel Süßem greifen.

Tryptophan ist barrierefrei

Schokolade ist das Lebensmittel mit dem größten Einfluss auf die Psyche. Erhöht sich infolge ihres Konsums der Tryptophan-Spiegel im Blut, kann diese Aminosäure als eine der ganz wenigen Substanzen eine nahezu undurchdringliche biologische Barriere zum Gehirn überwinden. Dort entsteht mit Hilfe von Enzymen das Glückshormon Serotonin. Obwohl letzteres zwar auch anderswo im Organismus gebildet wird, vermag Serotonin die besagte Blut-Hirn-Schranke nicht zu passieren. Die einzige Versorgungsmöglichkeit für das zentrale Nervensystem ist daher die Eigensynthese aus Tryptophan „vor Ort“.


Neuro-Balance

Im Gehirn beeinflusst Serotonin die Stimmungslage des Menschen und verleiht ein Gefühl der Gelassenheit und inneren Ruhe. Über ein komplexes Wechselspiel mit anderen Hormonen dämpft Serotonin darüber hinaus Angstgefühle und Stress. Ängstliche Probanden, die im Rahmen einer Studie* zwei Wochen lang täglich 40 g Bitterschokolade bekamen, zeigten danach ebenso niedrige Stressparameter wie entspannt wirkende Vergleichspersonen. Schokolade sorgt also nicht nur bei Majestäten für eine stabile „Neuro-Balance“. Doch auf die Schokolade selbst kommt es dabei genau genommen gar nicht an. Ihr hoher Zuckergehalt wirkt sogar als zweifelhafter Dickmacher. Allein der hohe Tryptophangehalt des Kakaoanteils der Schokolade zählt hier! Interessanterweise gelangt davon umso mehr in das Gehirn, je höher dessen Anteil im Vergleich zu anderen Aminosäuren im Blut ist. Isoliertes Tryptophan wäre hier also ein besonders cleverer Ansatz!




* Martin FPJ, Rezzi S, Pere-Trepat E, et al., J. Proteome Res. 2009; 8 (12): 5568-79.


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