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NO muss nicht immer „Nein“ heißen …


Klein aber preisverdächtig!

Eiweiße, Enzyme und Vitamine bilden gewöhnlich sehr komplexe Strukturen. Das allerwichtigste „Biomolekül des Lebens“, Wasser, ist hingegen ein recht genügsam aufgebauter Stoff. Gerade einmal drei Atome sind im H2O ihre äußerst segensreiche Allianz eingegangen. Einfacher geht es kaum noch. Ein anderes unverzichtbares Lebenselexier, das Stickstoffmonoxid (NO), toppt das Ganze jedoch. Lediglich ein einziges Stickstoff-Molekül ist hier mit dem Sauerstoff verbunden. Das Wort NO steht zwar meistens für ein vehementes Nein, ist in diesem Fall allerdings etwas sehr Lebensbejahendes. Die Wissenschaftler FURCHGOTT, MURAD und IGNARRO enthüllten, dass Stickstoffmonoxid für den optimalen Blutfluss und für die Regulation des Blutdrucks eine herausragende Rolle spielt. Im Jahre 1998 war diese Entdeckung sogar den Nobelpreis wert.


Der laute Knall …

Es gibt eine recht kuriose Verbindung zwischen dem Stickstoffmonoxid und ALFRED NOBEL. Der schwedische Ingenieur kam bekanntlich durch die Erfindung des Dynamits zu Wohlstand. Dieser Sprengstoff ist nichts anderes als pures Nitroglycerin, das er mithilfe eines speziellen Trägermaterials in eine sicher handhabbare „Spreng-Knete“ verwandeln konnte. Sie fand vor allem im Bergbau und beim Militär Verwendung. Aus Nitroglycerin spaltet sich leicht NO ab.

Die dabei mit hoher Geschwindigkeit erfolgende Volumenzunahme und den lauten Knall nennt man schlicht Explosion:
4 C3H5N3O9 → (Nitroglycerin) → 12 CO2 + 10 H2O +5 N2 + 2 NO.

Genau dieses freigesetzte NO wird heutzutage in der Medizin wegen seiner gefäßerweiternden Wirkung hoch geschätzt. Als Mittel gegen Herzenge und in der Notfallmedizin sorgt der NO-Spender Nitroglycerin unter der weniger spektakulären Bezeichnung Glyceroltrinitrat noch immer für eine bessere Durchblutung. Natürlich muss das Nitroglycerin dazu keineswegs explodieren. Es wird durch so genannte Esterasen im Organismus ganz sanft zu NO umgewandelt.


…und ein leises Flüstern

NO verbessert nicht nur den Blutfluss, sondern senkt vor allem den Druck in den Adern. Zudem verringert NO die Entstehung schädlicher freier Radikale und vermindert die Blutverklumpung. All` jene Effekte erweisen sich als äußerst vorteilhaft für die Gesundheit. Mutter Natur war sich dessen offenbar schon lange bewusst. Sie hat dem Menschen eine Aminosäure mit in die Wiege gelegt, aus der er sich sein NO bei Bedarf rasch selbst bereitstellen kann – Arginin.

Aber keine Angst, die NO-Freisetzung aus Arginin läuft im Organismus vollends enzymatisch gesteuert ab, ist ganz natürlich und findet absolut geräuschlos in jeder winzigen Muskelzelle der Adern statt:
C6H14N4O2 → (Arginin) + 2 O2 + 1,5 NADPH-H → C6H13N3O3 → (Citrullin) + 2 H2O + 1,5 NADP + NO

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